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Überhaupt hatten sich seit dem
Architektenwettbewerb und der Fertigstellung des Kindergartens
Umstände ergeben, die es erforderlich machten, das Gemeindezentrum
praktisch noch einmal neu zu planen. In der Zwischenzeit war nämlich
das Altenheim errichtet worden und eine Erschließung des Grundstücks
von Norden, wie eigentlich vorgesehen, war nicht mehr möglich.
Zusätzlich waren die angenommenen Entwicklungszahlen mittlerweile
überholt und es galt, wesentlich veränderte Baurichtlinien zu
beachten.
Der Grundentwurf eines fächerartigen Baukörpers,
wie schon beim Kindergarten, sollte aber beibehalten werden. Doch
musste Professor Winter, das in Fachkreisen besonders für den
Kirchenbau anerkannte Genie, der immer wieder seine künstlerischen,
fantastischen Vorstellungen mit Gestik und größter Überzeugungskraft
zu vermitteln sucht, unterstützt durch seine jüngere Frau, die
ebenfalls als Architektin arbeitete, in Rheindahlen immer wieder auf
den nüchternen Boden der finanziellen Möglichkeiten zurückgebracht
werden. Immerhin konnten die höheren Kosten für seine aufwändige
Baukonstruktion zum Teil dadurch wieder aufgefangen werden, dass durch
die Errichtung des Baues in Sichtmauerwerk praktisch der
Innenausbau größtenteils erledigt war.
Alle Gruppen der Gemeinde wurden erneut gebeten,
ihre Wünsche und Vorstellungen dem Presbyterium mitzuteilen. Trotz
allem Verständnis für die einzelnen Wünsche musste aber, wieder aus
finanziellen Gründen, darauf geachtet werden, dass der umbaute Raum so
gering wie möglich gehalten wurde.
Nach diesen Vorgaben und dem bereits bestehenden
Entwurf wurde Professor Winter eine Handskizze übergeben mit der
Bitte, die Vorplanung nach der neuen Konzeption durchzuführen.
Es folgte eine Phase vieler Bauausschusssitzungen,
die oft bis in die Nacht dauerten. Alle Wünsche und Vorstellungen der
Gemeinde mussten mit den architektonischen Vorstellungen in Einklang
gebracht werden. Vieles wurde geplant, verworfen, wieder neu geplant
usw. Jeder, der gebaut hat, weiß, wie interessant diese Planungen
sind, weiß aber auch, wie nervenaufreibend so etwas sein kann. Zudem
war der "Bauherr" hier ca. 3000 Gemeindemitglieder, deren Wünsche und
Vorstellungen man nach Möglichkeit entgegenkommen wollte. So hatte zum
Beispiel der Architekt die Vorstellung, die Decke im Foyer ziemlich
niedrig zu halten, um beim Eintreten in den Sakralraum dessen Höhe
besonders spürbar zu machen. Der Bauausschuss fragte sich, was wohl
die Gemeinde dazu sagen würde und fand den Kompromiss dadurch, dass
der gesamte Baukörper höher geplant wurde, um die Decke des Foyer auf
eine akzeptable Höhe zu bringen und trotzdem den Vorstellungen des
Architekten zu folgen, die auch nachvollziehbar waren.
Ende 1979 war es schließlich so weit, dass das
Presbyterium in einer Sitzung am 12.Dezember Professor Winter
beauftragen konnte, nach den nunmehr vorliegenden Planungsskizzen und
dem Beschlussprotokoll dieser Sitzung Bauskizzen anzufertigen, die
dann dem Presbyterium zur abschließenden Stellungnahmen und
endgültigen Genehmigung vorgelegt werden sollten. Ganz wichtig war die
grundsätzliche Übereinstimmung zwischen Presbyterium und Architekten,
"dass der für die Wortverkündigung vorgesehene Kirchenraum des
Gemeindezentrums ausschließlich für gottesdienstliche Zwecke dienen
soll."
Im Übrigen wurden Größe des Raumes, Größe der
Empore, Gestühl usw. genau festgelegt. Ein weiterer wichtiger Punkt dieser Sitzung war der
Beschluss, dass "bei der äußeren Gestaltung des zu errichtenden Teils
des Gemeindezentrums der unmittelbaren Nachbarschaft des städtischen
Altenheims unbedingt Rechnung getragen werden müsse. Deshalb ist das
Presbyteriums der Meinung, dass die Planung eines Glockenturmes
ein gutes Äquivalent zu der Nachbarschaft darstellen sollte". So weit
das Protokoll.
Die Baukosten waren nach dem aktuellen Stand der
Planung neu errechnet worden und beliefen sich nun auf ca. 2,6
Millionen Deutsche Mark. Das war ein riesiger Betrag für die Gemeinde.
Es wurden Anträge auf Zuschüsse bei Stadt und Land
(für die Errichtung der Jugendräume) und bei der Landeskirche und dem
Kirchenkreis gestellt. Aber auch nach diesen genehmigten Zuschüssen
musste sich die Gemeinde bis an dei Grenze der Belastbarkeit
verschulden, um den Bau des Gemeindezentrums zu verwirklichen.
Die endgültigen Baupläne wurden nunmehr erstellt
und zur Genehmigung bei den Zuschuss gebenden Stellen und beim Bauamt
eingereicht.
Es wurden die Leistungsverzeichnisse der einzelnen
Gewerke erstellt und an die Firmen verschickt, wobei das Presbyterium
darauf achtete, dass möglichst einheimische Firmen berücksichtigt
wurden.
Zum anderen hatte das Presbyterium inzwischen
beschlossen, dem neuen Gemeindezentrum den Namen
"Martin-Luther-Kirche" zu geben als Zeichen für die ökumenische
Aufgeschlossenheit und christliches Miteinander hier in Rheindahlen.
"Martin Luther, ein Erneuerer und Wahrer unserer gemeinsamen
christlichen Tradition, wäre heute ein Vorkämpfer des ökumenischen
Gedankens. Darum wollen wir in seinem Sinne weiter fortschreiten,
verbunden in brüderlichem Glauben und Leben im Dienste des einen
Herrn Jesus Christus." |